Die Topographie von Willebadessen          
   
   
Willebadessen liegt am Ostrande des "Südlichen Eggesenkungsfeldes" vor dem Einbruchssattel der Driburger Muschelkalkachse, durch die der Nethefluß seinen Lauf nach Osten nimmt. Der nordöstlich gerichtete Senkungsgraben ist hier fast 3 km breit und reicht in einer Länge von 16 km südlich von Neuenheerse bis Bonenburg. Dieser Graben, durch tektonische Einflüsse (Abbruch und Senkung bis zu 1000 m, nach Prof. Stille) sowie durch nachfolgende Ausräumung und Anlandung geschaffen, zeigt heute an der Oberfläche bei Willebadessen in der Hauptsache mittleren Keuper, Jura und Lehm, sowie Flußablagerungen (Kalktuff, Talböden und Moorerde).

vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Willebadessen... eingebettet im Ausläufer des Eggegbirges

Willebadessen liegt im tiefsten Teile des Senkungsfeldes, das hier von der Nethe vom Norden und dem Rickebach vom Süden entwässert und nach Osten durchbrochen wird, 220 in über dem Meeresspiegel. Der Eggerücken mit seinen westlich von Willebadessen gelegenen höchsten und wichtigsten Erhebungen (Karlsschanze 380 m, Kammweg oberhalb der Gertrudenkammer 433 m, Strohberg über den Hirschsprung 417 in, Schutzhütte am Wege nach Torfbruch 419 m, Paderborner Berg 380 in) besteht aus Neocomsandstein, der westlich vom roten Gault und weiter von den Ablagerungen der "Jüngeren Kreide" überdeckt wird (Geologische Karte, Blatt Willebadessen). Der Neocomsandstein wurde früher bei Willebadessen am Hirschsprung als guter Baustein abgebaut. Unter dem Neocom liegt der weichere und undurchlässigere Keuper und darunter die Schichtenfolge des Muschelkalkes. Durch den bei der Entstehung des Senkungfeldes stehengebliebenen Neocomrand fand eine Klippenbildung statt. Die an der Grenze zwischen Neocom und Keuper hervortretenden zahlreichen Quellen spülten den weicheren Boden weg, unterhöhlten den festen, aber kluftigen Sandstein und brachten ihn im Verein mit der Sprengkraft stärkeren Frostes (Eiszeit) zum Absturz und Gleiten, und so entstanden unten am Osthange des Gebirges die Felsenmeere und Quellsümpfe (nach Prof. Maasjost, Das Eggegebirge). An manchen Stellen verursachte die Auswaschung, von unter dem Neocom und Gault im Keuper liegenden Gipslagern Hohlräume und Einstürze, die dann kreisrunde, trichterförmige, bis zu 6 m im Durchmesser große, oft mit Wasser gefüllte Löcher (Dolinen) bildeten. Der Neocom und Gault sind fast durchweg mit Nadelwald bestanden, während die Keuper, Jura und Muschelkalk enthaltenden Böden mehr Laubwald tragen.

Am Rande des Senkungsfeldes südwestlich von Willebadessen blieb ein Muschelkalkhorst, der Hexen-Mühlenberg (330 m) stehen, durch dessen alte Querverwerfung und Ausräumung des Wassers sich das romantische Hellbachtal bildete. Infolge der vielen, nach Nordwesten streichenden, alten, tektonischen Bruchlinien und Verwerfungen tritt mancherorts der unterliegende dunkle, bei Verwitterung braunrote Liaskalk hervor, der wie der Muschelkalk sehr schöne Versteinerungen ausgestorbener Meerestiere (Muscheln, Seelilien, Ammoniten, Schnecken u. a.) enthält, aber auch Eisenerze führt, die vor 100 Jahren noch abgebaut wurden. Die alte Allee von der Borlinghauser Straße zur Bahn diente als Abfuhrweg. An den tief ausgefahrenen, zur Gertrudenkammer aufsteigenden Waldwegen sieht man noch heute die alten Eisenerzschürfstellen. Die zahlreichen Wasserläufe fressen sich immer tiefer in die Egge ein, so daß oft nur ein schmaler Sattel stehen geblieben ist. Ein solcher befindet sich nordwestlich der Karlsschanze, durch den im Jahre 1847 ein Eisenbahntunnel (Die Eisenbahneinschnitte) gegraben werden sollte, aber wegen zu starken Wassereinbruchs aufgegeben werden mußte. Das Eggegebirge entstand im Ollgozän, als sogenannte cheruskische Gebirgsfaltung, vor etwa 30 Millionen Jahren über den Kamm des Gebirges mit durchschnittlich 380 in Höhe verläuft vom Süden nach Norden.

vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Foto vom Eggeweg

Der Eggeweg als alter vor- und frühgeschichtlicher Heer- und Grenzweg (65 km). Nur wenige Quertäler führen von Westen her tiefer in das Gebirge hinein, durch die es überstiegen werden kann. Von Bülheim herauf kam in alter Zeit der Hellweg, kreuzte auf der Höhe den Eggeweg und ging durch das Hellbachtal hinab über Willebadessen weiter zur Weser (Helmern - Peckelsheim - Natzungen - Dalhausen - Beverungen). Den Austritt in die Willebadessener Feldflur schützte eine Landwehrbefestigung, während auf der Höhe die alte sächsische Behmburg (Karlsschanze), unweit der Egge-Hellweg-Kreuzung, die Wacht übernahm. Diese, im Osten sich an den Klippenrand anlehnende, über 35 Morgen große, nach der südlichen Angriffsseite durch einen Vorwall geschützte Wallburg, bildete wie die Iburg bei Driburg ein weitschauendes "Lug ins Land" und wird wie diese mit Karl dem Großen in Verbindung gebracht. Doch hatte sie zu der Zeit nicht mehr die Bedeutung in militärisch-strategischer und kultureller Hinsicht wie die Iburg. Der Name Karlsschanze stammt erst aus dem 17. Jahrhundert n. Chr. Letztmals trat der Heilweg aus dem Hellbachtal ins Licht der Geschichte, als am 29. Juni 1761 vor der Landwehr ein Nachhutkampf zwischen französischen und deutschen Truppen begann, der sich in die Stadt und darüber hinaus bis auf die Höhen nach Altenheerse (Kampffeld) hinzog.

Das Eggegebirge war bis um 1785 mit Laubwald bedeckt und wurde an zugänglichen Stellen neben geringer Holzentnahme besonders durch Hude und Mast genutzt. Die Jagd stand vor 1800 nur dem Landesherren, den Klöstern und dem Adel zu. Neben Schwarz- und Rehwild, Hasen, Füchsen, Dachsen, Mardern und Wildkatzen gab es an jagdbarem Wild auch noch Auer-, Birkund Haselwild, Wildtauben, Wilderiten, Wald- und Sumpfschnepfen. Das Rotwild, welches dichtere, zusammenhängende, große Wälder liebt, wurde erst nach 1848 nach und nach Standwild. Als fremdartiges Wild wurde vor einigen Jahren das Wildschaf (Muffelwild) in der Egge ausgesetzt. Der Wildreichtum der ausgedehnten Eggewälder hatte im vorigen Jahrhundert mehrere Wilddiebe angelockt, von deren dunklen Taten noch einige Kreuze im Walde und Erzählungen alter Leute berichten. Vom Walde der Egge (= Ecke, Kante), soweit er zur Willebadessener Flur gehört, hat die Stadt 600 ha und die v.Wredesche Gutsverwaltung 599 ha in Besitz. Heute bietet die Egge neben ihrem Reichtum an gepflegten Forsten und gutem Quellwasser für die Wasserleitung den Bewohnern von Willebadessen und vielen Kurgästen schöne Spaziergänge zur Erholung und Beobachtung interessanter geologischer, hydrostatischer, klimatischer, botanischer und zoologischer Eigenarten. Der Wildpark, beliebtes Ausflugsziel in Willebadessen...

vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Der Wildpark, beliebtes Ausflugsziel in Willebadessen...

Alter und in seinen Bodenverhältnissen mannigfaltiger ist das Vorland der Egge östlich des Senkungsfeldes. Auch hier steigt das Gelände oft steil aufwärts bis zu 300 in Höhe (Altes Feld 301 m, Schleusenberg 258 m, Langenberg 298 m, Griesenberg 299 m). Das ganze Gebiet ist durch tektonische Einflüsse (Verwerfungen, Faltungen, Pressungen, Hebungen und Senkungen sowie Erosionen (Abtragungen durch Wind und Wasser) verändert worden. Auf den höchsten Erhebungen tritt der harte, dürre Obere Muschelkalk zu Tage, der besonders reich an Muscheln (Terebratula vulgaris, Pecteil discites und laevigatus, Lima striata, Myophoria vulgaris, Monitis albertli, Astarte triasina und willebadensis), Stielgliedern der Seelilie (Encrinus liliiform,is) und Ammoniten (Ceratites nodosus und Nautilus bidorsatus) ist. Das Alter wird von den Geologen auf 200 Millionen Jahre geschätzt. In dieser Zeit war unsere Gegend vom Meere bedeckt. An den Hängen zeigt sich der ältere Mittlere und beim Stockhof der noch ältere Untere Muschelkalk ("Wellenkalk"); daneben kommen in den Senken schmale Streifen von dunklem Jura und Mittlerem Keuper (bunte Mergel) vor. Der Obere Muschelkalk wird in Steinbrüchen gewonnen und als Bausteine und Straßenschotter, auch als Brennkalk verarbeitet. Der Kalkofen am Hexenberg, nahe der Eisenbahn, kam vor einigen Jahren zum Erliegen. Der breite Talboden der Nethe eignet sich besonders zu Wiesenland und Viehweide. Die Muschelkalkböden auf der Höhe sind im allgemeinen trocken und steinig, an anderen Stellen besser, aber zäh. Die besten Ackerböden liefern der Mittlere Muschelkalk, der Keuper und gelegentlicher Gehängelehm. Die Höhen des Muschelkalkes, zum Teil auch die Gegenden des Wellenkalkes im Bereich des ehemaligen Klostergutes, sind mit Laubwald, meist Buche, bedeckt, die städtischen dagegen durch langjährige Hude und Erosion unfruchtbar und kahl.

Der Bauer hat infolge der Bodenbeschaffenheit, Lage und ungünstigen Klimaverhältnisse eine schwere Arbeit. Er baut Roggen, Hafer, etwas Weizen, Kartoffeln, Runkeln und Futterkräuter an. An Stelleder Hude und Waldmast ist die Stallfütterung getreten. Nur das Rindvieh wird noch in der guten, offenen Zeit in Weidekämpen. Um 1900 gab es in Willebadessen noch einen Schweine-, Ziegen und Gänsehirten. Die Chronik meldet viel von großen Bränden, Mißernten, Überschwemmungen, Armut und Not aus früheren Zeiten. Durch neuzeitliche Bauweise (gelockerte Siedlung, Steinbauten, Steinbedachung, Feuerschutz), rationelle Ackerwirtschaft und Flußregulierungen kommen diese Schäden nur noch selten vor.

vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Imposantes Bauwerk: Der Eisenbahn-Viadukt. Über ihn fahren seit dem Jahr 1853 die Züge.

Das Klima unseres Ortes ist zwar durch den hohen Eggewald gemildert, aber vom Nordosten her können die kalten und trockenen Winde über die kahlen Höhen ungehindert herzugelangen. Der Jahresniederschlag von 906 mm (= 906 1 auf 1 qm) ist höher als der von Borlinghausen (888 mm), aber niedriger als der Neuenheerser (1006 mm); ebenso liegt der Wärmedurchschnitt im Vergleich zur Bördelandschaft spürbar niedriger. Der Frühling kommt verhältnismäßig später (bis zu 14 Tagen) und der Winter gleichfalls um zwei Wochen früher als in der Börde. Der dort fallende Regen geht hier im Vorwinter bereits in Schnee über. Vom Westen kommende Gewitter ziehen meist schnell zur Weser ab; die vom Osten erscheinenden halten dagegen längere Zeit an und sind meist schwer und gefahrdrohend. Hagelschlag kommt nicht so häufig wie im offenen Bördegebiet vor. Früh- und Spätfröste treten oft schädigend in den Niederungen der Wasserläufe auf.