Kreuzgang          
   
   
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Ostflügel des Kreuzgangs
 
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vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Kreuzgang (Ostflügel) vor der Restaurierung als Kohlenkeller und Waschküche benutzt
Nach der Besichtigung der Kirche sollte man es nicht versäumen, durch die immer offene Tür in der Westwand des Südquerhauses den Kreuzgang zu betreten. Über einige Stufen gelangt man hinab in den Ostflügel. Während der Südflügel wie bereits erwähnt 1872 abgebrochen wurde, sind die beiden übrigen Flügel nur vom Konventsgebäude aus zugänglich. Auch der Ostflügel war im 19. Jahrhundert durch weitere Trennwände unterteilt worden und diente wie die nach Osten angrenzenden Räume als Wirtschaftsund Lagerräume für den Haushalt des Eigentümers der Klostergebäude und den Pfarrer. Erst bei der Restaurierung 1955-58 konnten diese jüngeren Einbauten entfernt und der Kreuzgangostflügel zusammen mit dem ehem. Kapitelsaal und der sog. Gründerkapelle wieder hergerichtet und einer angemessenen Nutzung zugeführt werden.

In seiner heutigen Gestalt ist der Kreuzgang das Ergebnis der hier kurz vor 1700 einsetzenden barocken Umbauphase des Klosters. Den Raumeindruck bestimmen die schweren Kreuzrippengewölbe, die von Wandkonsolen getragen werden. Die Konsolen sind ebenso wie die Schlußsteine der Gewölbe und die Scheitelsteine der Gurtbögen mit reichem plastischen Schmuck versehen. Engelsköpfe wechseln mit anderen figürlichen, vegetabilischen und sonstigen Motiven wie Fruchtgehängen, Blattrosetten, Blumenbouquets, Kartuschen und Wappen. Die Vielfalt der Motive und die trotz ländlich-derber Formen hohe Qualität des bildhauerischen Schmucks sind sehenswert. Die für die Klostergeschichte interessantesten Schlußsteine mit dem Bild des hl. Vitus als Klosterpatron, den Initialen des Konventes und des für den Kreuzgangumbau verantwortlichen Propstes Leonhard Vollmers (1673-1698) und der Äbtissin Maria Barbara Kleppe (1688-1718) und dem Datum 1700 befinden sich allerdings im nicht zugänglichen Westflügel.

Daß der barocke Kreuzgang an der Stelle seines romanischen Vorgängers steht, belegt der auf der Innenseite der Außenwand erhaltene Rest des romanischen Eckpfeilers direkt gegenüber dem Zugang von der Kirche in den Ostflügel, an der Ecke zum Nordflügel. Die in den Pfeiler eingearbeitete Ecksäule mit Blattkapitell (3. Viertel 12. Jahrhundert) trug offenbar das tiefer ansetzende romanische Kreuzganggewölbe. Beim barocken Umbau setzte man dann für das neue Gewölbe oberhalb des Kapitells eine Volutenkonsole mit Engelskopf ein, möglicherweise aufgrund einer Aufhöhung des Bodenniveaus, da der Kreuzgang heute höher liegt als die angrenzenden romanischen Räume. Ein zeitgleiches Kapitell befindet sich übrigens an identischer Position an der Ecke von Westund Nordflügel.

In den Wänden des Ostflügels sind neun Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben und der Leidensgeschichte Christi eingelassen. Diese zeigen noch Reste ihrer einstigen farbigen Fassung und sind 1728 von dem bereits hinreichend bekannten Giershagener Bildhauer Christophel Papen und seiner Werkstatt aus Adorfer Kalkstein (Mehlstein) gearbeitet. Die insgesamt 24 nicht immer gleich qualitätvollen Reliefs sind einem Kreuzweg ähnlich über die Kreuzgangflügel verteilt, wobei der Ostflügel einen Teil der erhalten gebliebenen Bildwerke aus dem abgebrochenen Südflügel mit aufgenommen hat. Drei zerbrochene Reliefs liegen noch auf dem Dachboden des Pfarrhauses. Die heutige Reihenfolge der Reliefs entspricht nicht mehr der tatsächlichen Abfolge der Geschehnisse.

Quelle: St. Vitus in Willebadessen
Reihe: Westfälische Kunststätten
Dirk Strohmann