Die Klosteranlage          
   
   
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Luftaufnahme des Klosterbezirkes (2000)
 
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Kloster
 
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Lageplan der Klosteranlage. Ausschnitt aus einem Katasterplan des Geometers G. Erdmann von 1806 / 07 in Privatbesitz
Während das heutige Ortsbild Willebadessens kaum noch durch historische Bausubstanz bestimmt wird, konnte das Klosterareal sein im 18. Jahrhundert geprägtes bauliches Erscheinungsbild weitgehend unverändert bewahren. Ein fast vollständig erhaltener, im Westen und Süden doppelt geführter Mauerring umfaßt den weitläufigen Klosterbezirk, der mit seinen großen Grünflächen heute als Kurpark genutzt wird. Von der Stadt aus gelangt man durch ein Torhaus an der Nordseite auf das Klostergelände. Bereits vor der Errichtung dieses Gebäudes 1801 (s. den hofseitigen Inschriftstein) befand sich hier der Hauptzugang zum Kloster.

Tritt man aus dem Torbogen der Durchfahrt hervor, sieht man zur Linken das um einen quadratischen Innenhof gruppierte, ehemals vierflügelige Konventsgebäude vor sich. Es handelt sich um einen zweigeschossigen barocken Putzbau mit hohem Mansarddach auf dem Grundriß der romanischen Klausur. Deren Position südlich der Kirche, an Querhaus und Seitenschiff direkt anschließend, entspricht dem Idealplan einer benediktinischen Klosteranlage. Der Ostflügel hat trotz des barocken Umbaus mit dem Kapitelsaal und der Gründerkapelle, zwei Räumen, auf die später noch einzugehen sein wird, Teilbereiche der romanischen Klausur fast unverändert bewahrt. Die barocken Um- und Neubaumaßnahmen des Konventsgebäudes begannen kurz vor 1700 im Kreuzgang und fanden mit der Fertigstellung des Westflügels, dem Gästetrakt, 1713 ihren vorläufigen Abschluß.

1744 baute man dann an der Südwestecke des Konventsgebäudes die giebelständig nach Norden, auf den Hauptzugang des Klosters ausgerichtete Abtei an. Das repräsentative Portal mit geschwungener Freitreppe und darüber angeordneter Figurennische in der Mittelachse der Giebelfassade nimmt Bezug auf eine vergleichbare Situation in der Westfassade des angrenzenden Konventsflügels. Die Anordnung der Portale und die mit ihnen verbundene Aufwertung der ansonsten nur durch die Fensterachsen gegliederten schlichten Fassaden macht deutlich, daß es sich hier um die auf den davorliegenden Platz ausgerichteten repräsentativen Schaufassaden des barocken Klosters handelt.

Beide Portale tragen in Kartuschen im Giebel Inschriften (im Westen verwittert) mit den Namen des für die Erbauung der Gebäude jeweils verantwortlichen Zweigespanns aus Äbtissin und Propst sowie der Jahreszahl der Vollendung. Die von Pilastern und Fruchtschnüren gerahmte Figurennische im Westflügel nimmt eine Statue der hl. Scholastika, der Gründerin des Benediktinerinnenordens und Schwester des hl. Benedikt, ein. Diese Figur (1722) stammt von dem Giershagener Bildhauer Christophel Papen (1678-1735), der mit zahlreichen Werken zur Ausstattung der Kirche beigetragen hat. Die Statue der Muttergottes mit dem Jesusknaben auf der Mondsichel im Nordgiebel der Abtei schuf 1744 Johannes Pollmann aus Obermarsberg, der die Bildhauerwerkstatt seines Schwagers Christophel Papen nach dessen Tod weiterführte. Die Figur steht in einer noch reicher als am Westflügel ausgestalteten, übergiebelten Muschelnische mit der Inschrift: SUB TUUM PRAESIDIUM / CONFUGIMUS / SANCTA DEI GENITRIX (Unter Deinen Schutz fliehen wir, heilige Gottesgebärerin).

Über den Platz verläuft auch heute noch die Hauptwegeachse des Klosterbezirks, die vom Torhaus an der Westfassade des Konventsgebäudes und der Abtei vorbeiführt und durch einen barocken Torbogen im Süden das ummauerte Gelände wieder verläßt. Entlang dieser Achse, auf ihrer rechten, westlichen Seite, sind in lockerer, giebelständiger Abfolge die Scheunen und Wirtschaftsgebäude des Klosters aufgereiht. Gleich hinter dem Torhaus liegt die Schmiede von 1688, heute Haus des Gastes und Verwaltungsnebenstelle. Es folgt die Ackerscheune von 1738, die 1994 durch einen modernen Anbau ergänzt wurde und von der Auslandsgesellschaft Nordrhein-Westfalen genutzt wird. Auf dem freien Platz dahinter standen weitere, im späten 19. und im 20. Jahrhundert abgebrochene Wirtschaftsgebäude. An der südlichen Klostermauer beendet schließlich ein weiteres Wirtschaftsgebäude des 18. Jahrhunderts die Reihe der Ökonomiebauten in diesem Bereich der Anlage.

Ist man nun, der Aufzählung der Wirtschaftsgebäude folgend, auf dem Hauptweg nach Süden vorangeschritten, liegt links, also im Osten, die barocke Einfriedung des ehemaligen Äbtissinnengartens, den man durch ein schmiedeeisernes Tor zwischen vasenbekrönten Sandsteinpfeilern betritt. Der Garten grenzt im Osten an ein 1748 errichtetes ehemaliges Stallgebäude des Klosters, hinter dem großräumiges weiteres Gartengelände folgte.

Vom Äbtissinnengarten aus ist auch zu erkennen, daß der Innenhof des Konventsgebäudes seiner einstigen Geschlossenheit beraubt wurde, als man 1872 den Südflügel abbrach. Nur sein an die Abtei grenzendes westliches Ende blieb stehen und wurde mit historisierenden Ecktürmchen 1873 zu einem Herrenhaus umgebaut. Mit dem Südflügel verschwand auch das analog zur Abtei nach Süden vorgezogene Endstück des Ostflügels, so daß die einstige architektonische Ausbildung einer nach Süden ausgerichteten Dreiflügelanlage, mit Ehrenhof und dem als Parterre vorgelagerten Äbtissinnengarten, im Gebäudebestand heute nicht mehr nachzuvollziehen ist.

Von der dekorativen Ausgestaltung dieser zweiten repräsentativen Schauseite des barocken Klosters zeugen noch die Figurennischen in den Giebelwänden der Abtei und des Ostflügels. Diejenige des Ostflügels wurde vermutlich beim Abbruch des südlichen Gebäudeteils des Ostflügels, der als Krankenhaus diente, an ihren jetzigen Platz versetzt. In ihr steht die Figur des hl. Josef mit dem Jesusknaben, die 1746 von Johannes Pollmann geschaffen wurde. Die Statue des hl. Vitus im Südgiebel der Abtei ist vermutlich eine bereits 1721 entstandene Arbeit der Papen-Werkstatt.

Quelle: St. Vitus in Willebadessen
Reihe: Westfälische Kunststätten
Dirk Strohmann