Ausstattung          
   
   
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Vitusschrein, um 1200
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Statuette des heiligen Vitus, 1. Hälfte 14. Jahrhunderts
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Abguss der Vitusfigur aus Corvey
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Heiliger Josef
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Heiliger Josef
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Chorgestühl  auf der Nonnenempore
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Nonnenempore mit Äbtissinnensitz im Hintergrund
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Neue Orgel
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Barocker Beichtstuhl im Seitenschiff
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Kanzel von 1723
Bevor wir zu der Betrachtung der sogenannten beweglichen Kirchenausstattung übergehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß das, was wir heute als Ausstattung der ehemaligen Klosterkirche vor uns sehen, das Ergebnis eines oftmals sehr willkürlichen Ausleseprozesses ist. Seit der Erbauung der Kirche hat man sich vermutlich in jeder der großen Stilepochen bemüht, dem Raum eine zeitgemäße, einheitliche Ausstattung zu geben und dabei das Vorausgehende bis auf wenige liturgisch oder künstlerisch besonders bedeutsame oder in den Augen der Zeitgenossen unverzichtbare Einzelstücke zerstört. Dies betraf insbesondere die Altäre. 1722 ersetzten die großen, Christophel Papen zugeschriebenen Altäre, die nach dem Muster der Neuenheerser Stiftskirche, wo sie heute noch vorhanden sind, den Höhepunkt der einheitlichen Barockausstattung der Willebadessener Klosterkirche bildeten, ihre gotischen Vorgänger. 1883/85 verbrannte man die Barockaltäre und ersetzte sie durch neugotische Altäre, die wiederum 1957 zugunsten einer „modernen" Altarlösung verschwanden. 1982 folgte schließlich die heutige Chorraum- und Altarausstattung.

Um eine gewisse Kompensation dieses nicht nur für die Willebadessener Kirche charakteristischen Verlustes einheitlicher Stildominanten innerhalb der Ausstattung zu ermöglichen, sollen die Einzelstücke in der Reihenfolge der verschiedenen Kunstepochen, denen sie angehören, vorgestellt werden.

Den Anfang bildet das älteste und wohl kostbarste Ausstattungsstück der Kirche, der romanische Vitus-Schrein, der die Reliquien des Kirchenpatrons aufnimmt. Er wird heute für die Gemeinde gut sichtbar an zentraler Stelle im Stipes des Zelebrationsaltars aufbewahrt. Das Reliquiar hat die Form eines Tragaltares, was vielleicht auf die ursprüngliche Funktion hindeutet. Im Kern besteht es aus einem Eichenholzkasten, der mit Silberblech verkleidet ist. Getriebene Standfiguren der zwölf Apostel schmücken die Wandungen des Kästchens. Die Apostelfiguren sind einander paarweise zugekehrt, zwischen ihnen sind aus Gelbguß hergestellte Pilaster aufgenagelt. Die Bodenplatte trägt seitlich eine Inschrift, die Buchstaben sind in Kupferblech eingeschnitten und vergoldet: A XRO DETVR QVAM IVSTVS QUISQ MERETVR DANTEBVS HEC DONA MERCES ET CERTA CORONA. (Den Gebern dieser Gaben ist Dank und Krone sicher, die von Christus wird gegeben werden und die jeder Gerechte verdient. Übersetzung Paul Michels 1934.) An den Kanten der Deckelplatte sind die Namen der Apostel angebracht. Die zurückspringenden Schrägen von Boden- und Deckelplatte sind mit einem gestanzten Palmettenmuster versehen. Bei den Füßen handelt es sich um jüngere Ergänzungen.

Zentrales Motiv der Oberseite der Deckelplatte ist der in der Mandorla thronende Christus zwischen den ihm zugewandten Standfiguren von Maria und dem hl. Vitus. Zu ihren Füßen sind adorierende Halbfiguren von Mönchen, darunter der inschriftlich bezeichnete ROBERTUS PRIOR, und Nonnen eingraviert. Oben und unten faßt eine Inschrift das Bildfeld ein, seitlich flankieren es in den Ecken die Symbole der Vier Evangelisten. Dazwischen sind ornamentierte Emailplättchen (rote Trauben auf blauem Grund) angebracht. Die Inschrift lautet: STELLA MARIA MARIS DEGENTES HIC TVEARIS NOS DS ETERNA P VITU PACE GVBERNA. (Maria Meerstem, schütze uns, die wir hier leben. Herr, durch den hl. Vitus lenke uns in ewigem Frieden. Übersetzung Paul Michels 1934.) Die Inschrift und das Figurenrepertoire der Deckelplatte belegen, daß der Schrein nicht nur dem hl Vitus, sondern auch der zweiten Hauptpatronin der Willebadessener Klosterkirche, der Gottesmutter Maria, geweiht war.

Bisher hat man den Vitus-Schrein oft mit einer Urkunde des Paderborner Domküsters Konrad von 1207 in Verbindung gebracht, in der von der Schenkung eines mit Gold, Silber, Edelsteinen und Marmor verzierten Reliquienkastens die Rede ist. Die in der Urkunde folgende Aufzählung der Reliquien erwähnt jedoch keine des hl. Vitus, was zusammen mit dem Fehlen von Edelsteinen und Marmor am Vitus-Schrein darauf schließen läßt, daß Konrad ein anderes, heute nicht mehr vorhandenes Reliquiar gestiftet haben muß. Dennoch nimmt man aufgrund stilkritischer Vergleiche eine Entstehung um 1200 im Wesergebiet an, im Umkreis der berühmten Gold- und Silberschmiedewerkstatt des nahen Benediktinerklosters Helmarshausen. Die gegenüber gesicherten Werken dieser Herkunft bewegteren und dabei gedrungeneren Figuren machen jedoch eine Entstehung in der Werkstatt selbst eher unwahrscheinlich. Auf jeden Fall besitzt die Kirchengemeinde Willebadessen mit dem Vitus-Schrein ein in Westfalen seltenes Meisterstück mittelalterlicher Schatzkunst.

Zur ältesten Ausstattung der Klosterkirche gehört außerdem ein heute im Erzbischöflichen Diözesanmuseum in Paderborn aufbewahrtes Vortragekreuz mit Kruzifix aus vergoldeter Bronze, das ebenfalls um 1200 datiert wird. Eine Kopie des Vortragekreuzes (1962) ist auf einer Stele am Choraufgang zu sehen.

In der Obhut des Paderborner Diözesanmuseums befinden sich auch eine Reihe von Plastiken vornehmlich der Gotik, die, aus ihrem verlorenen ursprünglichen Ausstattungszusammenhang herausgelöst, keinen Platz mehr in der Kirche fanden und wegen ihrer Kostbarkeit im Museum aufbewahrt werden. Ihre große Anzahl belegt die reiche Ausstattung der Kirche in gotischer Zeit. Die nach 1473 entstandenen Werke unter ihnen zeugen von der religiösen und künstlerischen Erneuerung des Klosters nach Einführung der Bursfelder Reform. Einige der Figuren könnten allerdings auch aus der Stadtkirche übernommen worden sein. Der Figurenreigen erstreckt sich von einer thronenden Madonna aus der Mitte des 13. Jahrhunderts über zahlreiche Heiligenfiguren, ein Vesperbild und eine Johannesschüssel (Kopie im Besitz der Kirchengemeinde) aus dem 14. und 15. Jahrhundert bis hin zu dem nur 30 cm großen, farbig glasierten Tonrelief mit der Darstellung der Madonna in der Strahlenglorie (Ende 15. Jahrhundert). Genannt werden soll auch eine qualitätvolle Statuette des hl. Martin mit dem Bettler, die Reste der alten Farbfassung aufweist und vermutlich um 1510/15 nach einer vorbildhaften Figur des Osnabrücker Meisters entstanden ist.

Aus der zu vermutenden großen Anzahl der gotischen Altäre hat sich nur der rechte Flügel eines gemalten Klappaltares erhalten, mit dem der Geseker Maler Gert van Lon (um 1465 - nach 1521) nach einem urkundlichen Beleg vom Jahre 1505 beauftragt wurde. Die mit Heiligen und vier Bildszenen aus der Heilsgeschichte beiderseits bemalte Tafel befindet sich, gespalten und in Einzelbilder zerteilt, im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

In der Kirche selbst sind nur einige wenige gotische Kunstwerke verblieben, die sich allerdings besonderer Verehrung erfreuen. In der ehemaligen Sakramentsnische in der Ostwand des Südquerhauses steht eine zierliche Madonnenstatue mit Kind, das einen Vogel, vermutlich eine Taube, in der Hand hält. Die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstandene Statuette weist noch Reste der ursprünglichen Farbfassung auf. Die Rahmung der ehemals im Chor auf der Nordseite angebrachten Sakramentsnische ist mit ihrer Fialenarchitektur und dem Zinnenkranz ein reizvolles Zeugnis aus der Bauzeit des Chores. Eine weitere Nische in der Ostwand des nördlichen Kreuzarmes nimmt ein Figürchen des Kirchenpatrons auf. Der hl. Vitus, mit Buch und Märtyrerpalme, stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die alte Farbfassung ist großflächig erhalten, besonders gut das reich nuancierte Inkamat des Gesichts. Erwähnenswert ist noch die ergänzte Kopie einer Darstellung des auferstehenden Christus aus der Mitte des 15. Jahrhunderts an der Ostwand des Südquerhauses, vermutlich das Fragment eines hl. Grabes. Das Original ist im Paderborner Diözesanmuseum.

Ausstattungsstücke des späteren 16. und des 17. Jahrhunderts sind in der Kirche nicht vertreten. Ein Taufstein (oder Weihwasserbecken?) von 1665, der in einer Klosterkirche keine Funktion hatte und daher vermutlich aus der Stadtkirche stammt, befindet sich im Diözesanmuseum Paderborn. Die in einer Nische im nordwestlichen Vierungspfeiler untergebrachte volkstümlich-derbe Pietä gehört ursprünglich nicht zur Kirchenausstattung, sie stammt aus der Fassade der 1687 errichteten Kapelle zum hl. Kreuz.

Das Fehlen von Kunstwerken aus dieser Zeit liegt sicher auch darin begründet, daß die große barocke Erneuerungsphase der Ausstattung erst mit dem Kirchenumbau seit 1720 einsetzt. Die umfassende Neuausstattung der Kirche ist untrennbar mit dem Namen des Giershagener Bildhauers Christophel Papen (1678-17351 verbunden, der die Aufträge für alle Prinzipalstücke und zahlreiche andere Bildhauerarbeiten erhielt und damit den Innenraum maßgeblich gestaltete. Christophel Papen führte die von seinem Vater Heinrich (um 1645-1719) um 1670 begründete Bildhauerwerkstatt weiter, die mit ihren vom flämischen Hochbarock ausgehenden Werken mehr als ein halbes Jahrhundert barocker Skulptur in Ostwestfalen, dem Sauerland und in Waldeck bestimmt hat. Unter den heute noch erhaltenen Willebadessener Inventarstücken aus dieser fruchtbaren Werkstatt ist die Kanzel von 1723 am nordöstlichen Vierungspfeiler wohl das imposanteste Werk.

Der polygonale, hängende Korb wird von einem Knauf mit vermittelnden Volutenschwüngen unterfangen. Er ist üppig mit bildhauerischem Schmuck versehen. Vor den Eckvorsprüngen sind Standfiguren der Vier Evangelisten in äußerst bewegten Stellungen angeordnet. Die Füllungen schmücken von Puttenköpfen gekrönte Ornamentkompositionen. Die Kanzelrückwand trägt zwischen Fruchtschnüren das Wappen der Äbtissin Theodora Sibylla von Heising, darunter in einer Kartusche die Stiftungsinschrift: THEODORA SYBILLA HEISING / ABBATISSA DEDIT ANNO 1723. Christus als Guter Hirte bekrönt den Schalldeckel auf einem von einschwingenden Voluten getragenen Postament.

Unter den Papen-Kanzeln gehört das Willebadessener Stück zu den qualitätvollsten. Die Evangelistenfiguren sind kaum variiert an der im selben Jahr gearbeiteten Kanzel in der Kirche in Erkeln bei Brakel wiederholt, sicherlich eine aus barocker Sicht zu tolerierende Begleiterscheinung der großen Beliebtheit und des hohen Auftragsbestandes der Bildhauerwerkstatt. Bei der Restaurierung 1957 wurde die Kanzel nach den ermittelten Befunden in der originalen Farbigkeit neu gefaßt, so daß plastische Form und Polychromie wieder eine gestalterische Einheit von typisch barocker Ausdruckskraft bilden. Ob der Treppenaufgang in seiner heutigen Gestalt ursprünglich ist, erscheint zumindest fraglich, ist doch die Kanzel mehrfach umgesetzt worden. Bis 1926 war sie an der Südseite des nordwestlichen Vierungspfeilers angebracht. Im 19. Jahrhundert hatte man die Evangelisten durch neugotische Figuren der Kirchenväter ersetzt. Diese sind jetzt schräg gegenüber der Kanzel an der Westwand des Nordquerhauses aufgestellt.

In diesen Jahren dürfte Papen auch die Altarausstattung des Chores mit drei Altären geliefert haben, deren raumfüllenden Gesamteindruck man sich wohl ähnlich wie in Neuenheerse vorstellen muß. Während seine übrigen Arbeiten für Kirche und Kloster in dem Rechnungsbuch des Propstes Strunck erscheinen, sind die Altäre dort nicht genannt. Der Hochaltar war der Gottesmutter Maria und allen Heiligen geweiht, die Nebenaltäre dem hl. Antonius und der hl. Elisabeth von Portugal. Einziger Rest der 1883/85 vernichteten Altäre sind die beiden zu Seiten des Chorostfensters aufgestellten lebensgroßen Figuren des hl. Benedikt und seiner Schwester, der hl. Scholastika, die als Ordensheilige vermutlich links und rechts des Gemäldes im Zentrum des Hochaltares ihren Platz hatten. Die monumentalen Figuren lassen die einstige Größe und plastische Wucht des Hochaltares auch in ihrer Vereinzelung noch erahnen und geben sich stilistisch deutlich als Werke Papens zu erkennen. Sechs zugehörige Altarleuchter mit farbiger Fassung sind ebenfalls erhalten.

Vor Aufstellung des Hochaltares hatte man das Ostfenster des Chores vermauert. Dort war außen die jetzt in der Südwand des Chores angebrachte Inschriftkartusche eingelassen, die bereits bei der Beschreibung des Äußeren der Kirche behandelt worden ist.

Ein weiteres barockes Ausstattungsstück des Chores ist die schlichte Ewig-Licht-Ampel (Silber, vergoldet), laut Inschrift eine Stiftung des Dechanten und Seniors des Erfurter Kollegiatstiftes St. Marien, Chr. Matthias aus Brakel 1726. Drei Engel in Halbfigur bilden die Aufhängung für die Kette. Ein 1728 entstandenes Werk Christophel Papens ist die Figurengruppe an der Südwand des Südquerarms, die Maria als Kind mit Buch zwischen ihren Eltern Joachim und Anna zeigt. Thema der Figurengruppe ist offenbar die Unterweisung Mariens. Der plastisch-monumentale, stark bewegte Figurenstil Papens, aber auch seine manchmal etwas starre, schematische Faltenführung lassen sich an dieser Figurengruppe mit erneuerter barocker Farbfassung gut studieren.

Folgt man der zu der Gruppe hinaufführenden Treppe, die in ihrer heutigen Gestalt auf die Restaurierung von 1955-57 zurückgeht, gelangt man durch eine Tür in der Westwand in einen abgetrennten Flur des Klostergebäudes und von dort auf die Nonnenempore. Diese wird zu einem großen Teil von dem zweireihigen Chorgestühl eingenommen, das auch auf die Westwand übergreift. Dort ist mittig unter dem Fenster ein Doppelsitz für die Äbtissin und die Priorin angeordnet. Dieser hebt sich durch seine differenziertere architektonische Durchformung und besonders durch das reiche plastische Rankenwerk in den Füllungen vom übrigen Chorgestühl ab. Das Zierwerk stammt von Christophel Papen. Die originale Farbfassung wurde 1978 freigelegt und ergänzt.

Der restliche Konvent des Klosters nahm bei den Messen in dem schlichteren, zweireihigen Chorgestühl mit Vorderpulten Platz, das für weitere 38 Nonnen ausreichte. Die Stallen der hinteren Reihe an den beiden Längswänden stammen noch von dem spätgotischen Vorgängergestühl, das zumindest zum Teil in den Neubau von 1723 integriert wurde. Die spätgotischen Formen mit stämmigen Säulchen, Kugelknäufen und Miserikordien, die eine Entstehung gegen Ende des 15. Jahrhunderts wahrscheinlich machen, lassen sich deutlich von den barocken, mit Akanthus geschmückten Formen der vorderen Stallen unterscheiden. Auch das Dorsale über den spätgotischen Bankreihen ist barocken Ursprungs. Die spätgotische Reihe der Nordseite dürfte wie die der Südseite neunsitzig gewesen sein. Offenbar hat man 1900 bei der Anlage des Zugangs vom neu erbauten Treppenturm zwei Sitze herausgesägt, von denen einer jetzt seitlich des Äbtissinnensitzes angebracht ist.

Zahlreiche ältere Freilegungsproben ermöglichen einen Blick auf die unter dem holzfarbenen Anstrich noch erhaltene barocke und spätgotische Farbigkeit des Chorgestühls. Eine seit der Wiederherstellung der barocken Farbfassung des Abtissinnensitzes geplante Restaurierung des Chorgestühls ist bisher nicht zur Ausführung gekommen. Die barocke Farbfassung des Chorgestühls und des Emporengitters wurde im Sommer 1723 von dem Paderborner Maler Jodokus Woltemate (1660?-1738) ausgeführt.

An den Wänden über dem Gestühl hängen heute auf Metall gemalte Tafelbilder mit dem hl. Liborius und den Aposteln Petrus, Paulus und Johannes. Diese sind die letzten Reste des historistischen Hochaltars von 1885 aus der Altarbauwerkstatt Theodor Brockhinke (1839-1890) in Wiedenbrück, den das gleiche Schicksal der Vernichtung ereilte wie seinen barocken Vorgänger. Die Farbfassung besorgte Kunstmaler Ferdinand Predeek (1848-1909) aus Paderborn, von dem vermutlich auch die Gemälde stammen.

Ursprünglich war die Nonnenempore reich ausgestattet. Im Osten vor dem Gitter stand ein kleiner, 1723 von Christophel Papen gearbeiteter Altar, der 1854 nach Eilversen verkauft wurde und sich in der dortigen Kapelle erhalten hat. Weiterhin befand sich die Figurengruppe von Maria und ihren Eltern hier, außerdem ein Apostelzyklus, für den Papen 1724 bezahlt wurde und den er 1727 durch zwischen den Figuren angebrachtes Laubwerk ergänzte. Zwei der Apostel und eine für den Äbtissinnenstuhl als Bekrönung bestimmte Figur des Christus Salvator (1727) haben sich erhalten und sind heute etwas verloren auf dem Orgelprospekt aufgestellt. Zwei barocke Reliquienschränke (s.u.) hatten ebenfalls ihren Platz auf der Empore. Die jetzt hier hängende üppige schmiedeeiserne Leuchterkrone wurde erst 1888 angeschafft und zunächst im östlichen Joch des Kirchenschiffes angebracht.

Weitere Ausstattungsstücke des 18. Jahrhunderts sind das Gemälde mit der Darbringung im Tempel über der Tür im Nordquerhaus, der Josefsaltar (umgebaut?, mit neuer Figur) im südlichen Querarm und der Beichtstuhl im südlichen Seitenschiff. Den durch Vorziehen des Mittelteiles geringfügig veränderten Beichtstuhl in wiederhergestellter Schwarzmarmorfassung bekrönt eine Figur des die Hände ringenden hl. Petrus mit dem Hahn, flankiert von zwei Engeln mit Inschriftkartuschen, die zwei Verse aus dem 22. Kapitel des Lukasevangeliums in Latein und Deutsch wiedergeben. Diese Verse nehmen auf den Verrat des Petrus und seine Reue Bezug, weswegen der Apostel in enger Beziehung zum Bußsakrament steht und oft als Bekrönungsfigur von Beichtstühlen erscheint.

Der Vollständigkeit halber muß hier auch die große und zweifellos reich verzierte Barockorgel erwähnt werden, die für den Raumeindruck ebenso dominant gewesen sein wird wie die Altäre, und die wie diese den radikalen Erneuerungsbestrebungen des 19. Jahrhunderts zum Opfer fiel. Der Prospekt war oberhalb der den nördlichen Querarm zur Vierung hin abschließenden Trennwand angebracht. 1725 und 1729 arbeitete Christophel Papen an schmückendem Laubwerk und anderem Zierrat, 1727 an einer Figur der hl. Cäcilia, zwei Engeln mit Trompeten und acht Blumentöpfen für diesen Prospekt. Die von 1722-1727 errichtete Orgel war ein Werk der Orgelbauer Andreas und Berndt Reinecke aus Rhoden in Waldeck. Ihre historistische Nachfolgerin von 1900 (Franz Eggert, Paderborn) stand auf einer eigens errichteten Empore im Südquerhaus, die 1955 abgebrochen wurde. Die jetzige Orgel an der Nordwand des Nordquerarms wurde 1967 erbaut und 1984 durch Änderungen am Gehäuse in die heutige, im Kirchenraum fremd wirkende Gestalt umgebaut.

Von der historistischen Kirchenausstattung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist außer den bereits beschriebenen Farbverglasungen und dem heute auf der Empore hängenden Kronleuchter nicht viel geblieben. Im südlichen Seitenschiff steht der 1904 von Bildhauer Sauerland aus Warburg gearbeitete Taufstein. Die achteckige Kuppa mit Blattkranz besteht aus einem anderen Steinmaterial als der in Drachengestalt ausgearbeitete Fuß. Die Sockelplatte ist wohl neueren Datums. Den hölzernen Deckel mit Türmchenkränzen bekrönt eine Christusfigur mit zwei Kindern als auf das Taufgeschehen bezogene Illustration des Themas "Lasset die Kindlein zu mir kommen". In der als Blendfenster wiederhergestellten romanischen Fensteröffnung darüber steht eine neugotische Herz-Jesu-Figur.

Abschließend müssen noch kurz einige weitere Ausstattungsstücke des 20. Jahrhunderts vorgestellt werden. Die Kriegerehrung für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im südwestlichen Vierungspfeiler entstand 1921 nach dem Entwurf des Paderborner Dombaumeisters Kurt Matern (18841968). In die vor dem Pfeiler befestigte Marmorplatte mit den Namen der Toten ist ein Bronzerelief des Paderborner Metallbildhauers Hugo Bürger (1872-1958) eingelassen. Das signierte und datierte Relief zeigt zwei Soldaten in Anbetung des Gekreuzigten. Der im Kirchenschiff angeordnete Kreuzweg ist eine um 1981 angefertigte Kopie nach einem historistischen Vorbild aus einer anderen Kirche und nicht mit dem 1904 für die Willebadessener Kirche angeschafften und verlorenen Kreuzweg identisch. Die Apostelleuchter sind zusammen mit dem neuen Kreuzweg angebracht worden. Die Figur des hl. Antonius von Padua unter der Empore ist allein wegen ihrer Konsole interessant, bei der es sich um ein hier zweitverwendetes Palmettenkapitell aus der Erbauungszeit der Kirche handelt. Der benachbarte Windfang des Westportals in barockisierenden Formen entstand 1933.

Schließlich sei auf die 1982 abgeschlossene Neugestaltung des Chores hingewiesen, die von den Gebrüdem Winkelmann aus Möhnesee-Günne in zeitgemäßen Formen vornehmlich in toskanischem Sandstein und Bronze ausgeführt wurde. Den Ort des Hochaltars nimmt das auf einer Stelle platzierte, von einem transparenten Bronzeturm umgebene Tabernakel ein. Thema ist hier die Darstellung des himmlischen Jerusalem nach der Offenbarung des Johannes, symbolisiert durch jeweils zwölf Steine, Tore, Engel und die Namen der zwölf Stämme Israels. Im Fuß der Tabernakelstele ist ein neugotisches Kreuzreliquiar (Messing, vergoldet und versilbert) der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem Kirchenschatz untergebracht, das einen Partikel des hl. Kreuzes enthält. Die an die Stele anschließenden, als Leuchterbänke konzipierten Viertelkreissegmente bilden zusammen mit dem Tabernakel ein Halbrund, das an die ehemalige romanische Chorapsis erinnern soll. Der Zelebrationsaltar mit den vier Engeln mit den Symbolen Posaune, Siegel, Weihrauch und Buch und der Ambo mit dem Lamm mit den sieben Augen und dem Buch mit den sieben Siegeln führen den aus der Offenbarung des Johannes entnommenen Themenkreis der Chorraumgestaltung fort.

Von den Altargeräten sollen hier nur die herausragendsten Stücke genannt werden. Die ältesten stammen aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, so der sog. Vitus-Kelch und eine Turmmonstranz. Der als Sechspaß ausgebildete Fuß des Kelches (Silber, vergoldet) ist mit gravierten figürlichen Darstellungen von guter Qualität versehen, die zeitgenössischen Kupferstichvorlagen folgen. Zu sehen sind Christus als Schmerzensmann mit der Umschrift: "Calix Sancti viti in willebadessen", die Gottesmutter, der Kirchenpatron Vitus, der hl. Benedikt und die Apostel Petrus und Paulus. Der Nodus ist ebenfalls reich verziert. Die Kuppa ist eine Zutat des späten 19. Jahrhunderts. Bereits 1852/53 wurde die Turmmonstranz (Silber, vergoldet) durch das Anfügen zusätzlicher seitlicher Elemente stark verändert. Schaugefäß, Lunula und Turmpyramide sind ebenfalls erneuert. Die in Silber belassenen Engelsköpfe an Fuß und Kelch wurden im 17. Jahrhundert hinzugefügt. In die noch ursprüngliche feingliedrige gotische Fialenarchitektur, die das Schaugefäß umgibt, sind zwei Statuetten weiblicher Heiliger eingestellt.

Aus der Zeit der Barockisierung der Klosterkirche haben sich zwei relativ schlichte Kelche und ein Ziborium von 1697 erhalten. Letzteres ist eine inschriftlich bezeichnete Stiftung der Eheleute Urban Osterwalt und Katharina Richters. Weiterhin befinden sich im Kirchenschatz ein 1713 datiertes silbernes Weihrauchschiffchen mit dem Meisterzeichen CH des Goldschmiedes Casper Heitmann (um 1677-1720) aus Dringenberg, sowie ein wohl ungefähr gleich altes, ebenfalls Heitmann zuzuschreibendes Weihrauchfaß mit Medaillons des hl. Vitus und des hl. Benedikt, beide Gefäße mit den Buchstaben CWB (Conventus Willebadessensis Beriedictinus) als Klosterbesitz gekennzeichnet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts dürfte die sehr schöne, bereits klassizistisch geprägte Monstranz (Silber, vergoldet) entstanden sein, auf ovalem Fuß mit als Symbol der Trinität dreieckig gefaßtem Schauglas, umgeben von Traubenranken, Ährendekor und einem schwach achteckigen Strahlenkranz. Die Monstranz trägt das Meisterzeichen HB.

Historische Glocken sind nicht vorhanden. Das Geläut besteht aus fünf Bronzeglocken, die 1955 von Petit und Edelbrock in Gescher gegossen wurden.

Quelle: St. Vitus in Willebadessen
Reihe: Westfälische Kunststätten
Dirk Strohmann