Eine neue Orgel für Willebadessen          
   
   
vergrössertes Bild -> bitte Mausklick Foto kurz vor dem Abbruch der Orgelempore im Jahr 1956 im südlichen Querhaus
Bericht des Lehrers Jürgens aus der Schulchronik (Schularchiv Willebadessen).

Willebadessen, den 22. Febr. 1901.

Heute in der Fastenandacht wurde die neue Orgel zum ersten Male beim Gottesdienste gebraucht. In atemloser Stille lauschten die Anwesenden den ersten Tönen bei der Intonation zur Fastenlitanei 112. Und wahrlich: Willebadessen kann stolz sein auf ein solches Kunstwerk, das bei entsprechendem Gebrauche viel zur Erbauung der Gläubigen beitragen wird. Doch bevor ich die neue Orgel näher beschreibe, muß ich kurz auf ihre Vorgängerin zurückkommen. Wenn auch sonst das Scheiden hart sein mag: der alten Orgel hat niemand eine Thräne nachgeweint, als nach der Frohnleichnams-Oktav 1900 das Zerstörungswerk begann. Als würdige Dame aus dem 18. Jahrhundert (genau war das Alter nicht mehr festzustellen) hatte sie sich noch ein ganz respektvolles Äußeres bewahrt. Sie stand auf einer etwa 1,5 m dicken Mauer, die den linken Kreuzarm von dem Schiff trennte. Das Prospekt füllte den ganzen Gewölbebogen. Auf der hinter der Orgel errichteten Bühne standen übereinander die mächtigen Spannbälge, die beim Gebrauche ein unheimliches Getöse absetzten.

Die Orgel selbst hatte im Hauptwerk 18, im Nebenwerk 12 und im Pedal 4 Register, die aber kaum noch zur Hälfte brauchbar waren. Vorherrschend waren Register mit schrillem Charakter; z. B. 2 Mixturen, Sesquialtera, Oboe, Clarinette, Bauernflöte, Trompete (doppelt) und mehrere 2 und 2 2/3 Füße. Sanfte Register fehlten ganz, denn Salltional, Gedakt etc. waren zu scharf intoniert. Das ganze Werk war ein Schreiwerk ersten Ranges; zudem noch die lästigen Springladen. Wenn somit die Neubeschaffung einer Orgel auch zur dringenden Notwendigkeit geworden war, so hätte sich die Neubeschaffung doch noch länger verzögert, wenn nicht die Vergrößerung der Kirche immer dringlicher geworden wäre. Der Gedanke an die verminderte Steuerkraft des Klostergute nach dem Tode des zeitigen alten Herrn und der Wunsch des Ehrenamtmannes Merz, sein Amt mit einer guten That zu beschließen, mochten ebenfalls bestimmend einwirken. Genug: Es kam ein gemeinsamer Beschluß der kirchlichen und politischen Gemeindevertretung zustande, nach welchem aus Kirchengeldern die Vergrößerung und Renovierung der Kirche und aus Gemeindevermögen die Beschaffung einer neuen Orgel besorgt werden sollte. Mit der Ausführung wurde die Orgelbauanstalt von Eggert in Paderborn betraut. Bei der neuen Orgel wurde (zuerst diesseits der Egge) pneumatische Hebel angewandt. Abgenommen wurde das Werk von Herrn Domchor-Dirigenten Dr. Müller in Paderborn.